Unsere Konzeption

1. Die Geschichte des Natur- und Bewegungskindergartens
2. Träger / Organisation
3. Öffnungs- und Betreuungszeiten
4. Regeln im Waldkindergarten
5. Über das Jahr
6. Ausrüstung
7. Gefahren und Risiken
8. Pädagogische Konzeption
9. Häufig gestellte Fragen
10. Danke

1. Die Geschichte des Natur- und Bewegungskindergartens

1.1. Natur und Bewegungskindergarten Wilhelmsdorf e. V.

Die Idee der Waldkindergärten stammt aus Dänemark und Norwegen. In Deutschland wurde nach diesen Vorbildern der erste staatlich anerkannte und geförderte Waldkindergarten im Mai 1993 gegründet. Einen privaten gibt es seit etwa 35 Jahren in Wiesbaden.

Helge Afflerbach und Anne Blickle brachten die wunderbare Idee dieser Betreuungsform hierher nach Wilhelmsdorf und gründeten im August 1994 den Natur- und Bewegungskindergarten Wilhelmsdorf e. V. Die Erzieher/innen begleiteten seitdem über 130 Kinder (Stand Juli 2011) durch ihre Kindergartenzeit bis zu ihrem Lebensabschnitt Schule auf ihren Wegen durch die Wilhelmsdorfer Natur.

1.2. Grundsätze

Die Kinder erleben das ganze Jahr draußen in der Natur (im Wald, im Ried, am See) und lernen mit verschiedenen Wettereinflüssen zurecht zu kommen und ihren Spiel- und Erholungsraum sorgsam zu behandeln. Sie erfahren den Jahreszeitenverlauf, lernen sich daran anzupassen, mit Kleidung und verschiedenen wetterbedingten Spielmöglichkeiten. Die christlichen Feste werden mit den Kindern erarbeitet und gefeiert. Sie lernen auf der Basis des christlichen Menschenbildes aufeinander zu achten und zu helfen.

Wir verstehen uns als alternatives Angebot zur Kinderbetreuung in Wilhelmsdorf und Umgebung nicht als Konkurrenz zur den anderen Kindergärten.

2. Träger / Organisation

Freier Träger des Waldkindergartens in Wilhelmsdorf ist der Verein: Natur- und Bewegungskindergarten Wilhelmsdorf e. V., gegründet am 24. August 1994.

Besonderheiten: Es gibt eine enge Kooperation mit den Zieglerschen Anstalten e. V., der politischen Gemeinde Wilhelmsdorf, der Grund- und Hauptschule Wilhelmsdorf sowie der TSG Wilhelmsdorf e. V., der der WAKIGA als eigenständige Abteilung angehört. Dadurch ist es uns möglich, Praktikanten und FSJler im Kindergarten als zusätzliche Begleiter zu den Erziehern einzusetzen. Des Weiteren wird unser Kindergartenteam, durch derzeit 3 Praktikanten ergänzt. Unser seit Jahren bewährtes Team, mit dem wir außerordentlich glücklich sind, setzt sich zusammen aus Ruth Häckel (Heilerziehungspflegerin, seit 1995 Mitarbeiterin), Walter Stockmayer (Sportpädagoge mit Zusatzqualifikation als Naturpädagoge und Psychomotoriker, seit 1999 Mitarbeiter im Wakiga), Irene Gebhardt (Erzieherin mit Zusatzqualifikation als Psychomotorikerin und Naturlehrerin, seit 2002 Mitarbeiterin), Nicole Nies (Heilerziehungspflegerin, seit 2015 Mitarbeiterin) und Bastian Striebeck (Sportlehrer und Erlebnispädagoge, Mitarbeiter seit 2018).

Der Vorstand besteht aus mindestens 3 Mitgliedern, die alle 2 Jahre von der Mitgliederversammlung im Herbst gewählt werden. Derzeit setzt er sich so zusammen:

1. Vorsitzende: Nina Afflerbach
2. Vorsitzende: Sabrina Barteleit
1. Kassier: Jasmin Seeger
2. Kassier: Daniel Seeger
Beisitzer: Dirk Roddewig / Katharina Gasse / Maren Lüke

Adresse
Pfrunger Straße 14/1
88271 Wilhelmsdorf

Bankverbindung
Volksbank Altshausen
IBAN: DE32 6509 2200 0145 2150 08
BIC: GENODES1VAH

3. Öffnungs- und Betreuungszeiten

Der Kindergarten ist von Montag bis Freitag von 7.30 Uhr – 13.30 Uhr für die Wichtel (3jährige), Trolle (4-5jährige) und Riesen (kommende Schulkinder) geöffnet. Die Zwerge (zwischen 2 und 3 Jahren) kommen derzeit Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag. Zurzeit haben wir zwei altersgemischte Gruppen mit verlängerter Öffnungszeit. Wir nehmen Kinder im Alter von 2-6 Jahren auf.

Mit den Kindergartenbeiträgen orientieren wir uns an den anderen Kindergärten der Gemeinde. Unsere Beiträge sind unter folgendem Link einzusehen: Beiträge WaKiGa

Voraussetzung für die Aufnahme eines Kindes ist die Mitgliedschaft der Familie im Verein Natur- und Bewegungskindergarten e. V.. Der Mitgliedsbeitrag beträgt derzeit 20,00 € pro Jahr.
Die Ferienzeiten orientieren sich an den Ferienzeiten der örtlichen Schulen und werden in unserer Kindergarteninformation, der Waldkindergartenzeitung rechtzeitig bekannt gegeben, bzw. stehen am Kindergartenjahr fest und können bei den Erzieherinnen nachgefragt werden.

4. Regeln im Waldkindergarten

Diese Regeln werden im Herbst neu eingeführt und erklärt, bzw. für die älteren Kinder wieder aufgefrischt. Es sind wenige, aber uns wichtige Regeln, auf deren Einhaltung konsequent geachtet wird, sowohl von den Begleitern als auch von den Kindern selbst:

  • Wir tragen immer langärmlige Kleidung, lange Hosen, feste geschlossene Schuhe und eine Kopfbedeckung, die uns vor Regen, Wind, Sonne, Hitze, Ozon und Zecken/Mücken schützen
  • Morgenkreis und Geschichte ist für alle Kinder
  • Wir nehmen Rücksicht auf die Kinder der Gruppe, die nicht so schnell gehen können und warten an jeder Kreuzung/Abzweigung bis alle da sind.
  • Vor dem Frühstück waschen wir immer die Hände und während dem Frühstück sitzen wir immer auf Isomatten
  • Wir essen keine Früchte, Pilze etc. die wir draußen finden (nur was im Rucksack mitgebracht ist)
  • An den Lagerplätzen gehen wir nur außer Sichtweite, nachdem wir uns abgemeldet haben
    Wir räumen Werkzeug, Sandspielsachen, Bücher, Seile etc. nach dem Benutzen immer auf.
  • Kinder ab 3 Jahren dürfen Taschenmesser benützen, aber es gilt: Beim Schnitzen immer sitzen
  • Wir respektieren die Tiere – ob groß oder klein – und beobachten ohne zu verletzen. Pflanzen und Bäume werden ins Spiel einbezogen aber nicht absichtlich kaputt gemacht.
  • Wir fragen immer, bevor wir am Wasser spielen.

5. Über das Jahr

Der Jahresverlauf gliedert sich für die Kinder einerseits anschaulich und erlebbar durch die Jahreszeiten. Und andererseits werden die Kinder von den christlichen Feiertagen, welche auch gemeinsam erarbeitet und gefeiert werden, durchs Jahr geführt.

5.1. Mitarbeit im Verein

Am 01. Mai findet unser Jahresfest statt. In diesem Jahr (2015) bereits zum 20. Mal. Es ist unser großes Familienfest, das mittlerweile auch für viele Ehemalige zum festen Ereignis in Wilhelmsdorf gehört. Es wird von Eltern und Erzieher/innen ausgerichtet. Zusammen wird in der Vorbereitung für Salat und Kuchen gesorgt. Für den Festtag selbst tragen sich die Eltern in Helferlisten zum Bewirten und zur Betreuung der vielfältigen Bastel- und Spielangebote für die Kinder ein. (Airtramp beaufsichtigen, Kinderschminken, Holz-, und Filzwerkstatt…) Neue Ideen sind immer willkommen und gefragt Der Erlös des Festes wird für den jährlichen Familienausflug, der in der Regel zu Beginn des Sommers stattfindet, verwendet. Dies besprechen wir bei unserer 2. Vorstandssitzung im Frühjahr, die auch gleichzeitig der 2. Elternabend des Kindergartenjahres ist.

Jährlich finden also jeweils 2 Mitgliederversammlungen und 2 Elternabende statt, wobei die beiden jeweils letzten in einem Abend zusammengefasst werden. Unser Kindergarten ist ein Verein und wird durch die Arbeit der Mitglieder vor allen Dingen der aktuellen Kindergarteneltern getragen.

Der Verein beteiligt sich an den Veranstaltungen der Gemeinde, meistens gemeinsam mit der TSG Wilhelmsdorf oder wie am Weihnachtsmarkt alleine mit einem seit Jahren beliebten Stand.

Elternbeirat wird jährlich am ersten Elternabend des neuen Kindergartenjahres (entsprechend § 5 des Kindergartengesetzes) gewählt.

5.2. Jahresrhythmus

Eltern und Verwandte sind zum Laternenfest, Weihnachtsfest sowie zum Sommerfest eingeladen. Das Faschingsfest, Osterfest und Erntedankfest feiern die Kinder mit ihren Begleitern im Kindergarten und jedes Kind darf seinen Geburtstag im Wald feiern. Hierzu besprechen die Eltern den gewünschten Termin mit den Erziehern. Gerne kommt der ganze Kindergarten, wenn dies gewünscht wird, zum Geburtstagsfest nach Hause, wobei kein Weg gescheut wird (zu Fuß, per Bühlerbus mit “kindergarteneigenem” Fahrer oder per Fahrgemeinschaft).
Zum Sommerabschluss übernachten die Riesen, die den Kindergarten in die Schule verlassen werden mit den Erzieherinnen auf dem Kindergartengelände. Zusätzlich werden über das Jahr verteilt Exkursionen unternommen, wie z. B. zur Kartoffelernte auf den Acker des Hoffmannshauses, zur Apfelernte, im Herbst zur Ringgenburg, zum Angeln am Nilsee, zur Feuerwehr.

5.3. Jahreszeiten

Im Herbst beginnt das Kindergartenjahr. Es gibt eine neue Gruppenzusammensetzung, Eingewöhnung der neuen Kinder, in den ersten Tagen vielleicht auch in Begleitung der Eltern, Lernen der Waldkindergartenregeln, gegenseitiges Kennenlernen,
Farben erleben, Wetter erleben mit Regen, Sturm und Wind, Feiern von Erntedank- und Laternenfest.
Im Winter müssen die Kinder sich an die Kälte gewöhnen, an andere und mehr Kleider. Feiern der Advents- und Weihnachtszeit.
Im neuen Jahr hoffen wir auf viel Schnee zum Schlittenfahren und Iglu bauen, auf Minusgrade zum auf dem Eis rutschen. Am Winterende gibt es ein lustiges Faschingsfest.
Im Frühling wird das Erwachen der Natur beobachtet und bestaunt. Wir feiern Ostern und das Familien- und Jubiläumsfest am 1. Mai.
Im Sommer gibt es Hitze, Mücken, aber auch die Abkühlung beim Schwimmen im Lengenweiler See. Die Kindergartenkinder feiern mit den Familien das Sommerfest und verabschieden die Riesen in die Schule. Diese verbringen mit den ErzieherInnen zum Abschied eine Nacht auf dem Waldkindergarten-Gelände.

6. Ausrüstung

6.1. Ausrüstung der Erzieher in den zwei Bollerwagen und ihren Rucksäcken

  • Erste Hilfe Ausrüstung
  • Wasserkanister
  • Thermoskannen mit Tee
  • Klappspaten & Toilettenpapier
  • Ersatzkleidung
  • Hängematten & Seile
  • Werkzeuge (Schnitzmesser, Sägen, Hammer,…)
  • Bestimmungsbücher, Vorlesebücher
  • Sammelbeutel für Schätze und Müll
  • Handy

6.2. Ausrüstung der Kinder in ihren Rucksäcken

  • Eine Isomatte, so groß wie unser Rucksack
  • Ein kleines Handtuch
  • Eine Vesperdose mit ihrem Essen
  • Ein Trinkbecher und/oder Trinkflasche
  • Papiertaschentücher
  • Eine Plastiktüte mit Socken, Unterhose, Leggins
  • von September bis April 1-3 Paar mit Namen gekennzeichnete Handschuhe

7. Gefahren und Risiken

Zecken: Bester Schutz sind lange Kleidung und Kopfbedeckung auch im Sommer, Auftragen von Schutzlotion, Sichtkontrolle durch die Eltern, Sichere Entfernung der Zecke, Beobachtung der Stichstelle, eventuell eine Zeckenimpfung.

Fuchsbandwurm (kleiner als 1mm): Waldfrüchte (Beeren, Pilze u.s.w.) Gemüse, Salat, Beeren aus Freilandkulturen sowie Fallobst vor dem Verzehr gründlich waschen, möglichst kochen. Tiefgefrieren bei -20° C tötet die Eier des Fuchsbandwurmes nicht ab (sie verlieren erst bei -80° C ihre Lebensfähigkeit).

Nach Arbeiten mit Erde (z. B. Wald, Feld- und Gartenarbeiten) jeweils die Hände gründlich waschen.

8. Pädagogische Konzeption

Der Waldkindergarten richtet sich – wie die Regelkindergärten auch – nach dem allgemeinen Orientierungsplan, zu dessen Einführung die ErzieherInnen aller Kindergärten seit 2008 verpflichtet sind. Er umfasst neben der Qualtitätssicherung der pädagogischen Arbeit auch die Dokumentation zur Qualitätssicherung und die Dokumentation als Grundlage für Entwicklungsgespräche. Diese können für jedes Kind halbjährlich mit den ErzieherInnen verabredet werden. Bei aktuellen Anliegen können sich die Eltern jederzeit direkt an die ErzieherInnen wenden.
Wer sich von Euch Lesern für Details, Untersuchungen, Zahlen, Vorteile des Waldkindergartens gegenüber anderen Kindergärten interessiert, sei dazu eingeladen, Helges Ausarbeitung (www.wakigaki.de) durchzulesen.

8.1. Voraussetzung von Bewegung als Grundlage für das Lernen: Begreifen

Durch Bewegung – möglichst vielseitig und freudvoll- bilden sich im Gehirn Synapsen, die für die Ausbildung der Intelligenz entscheidend sind. Nur durch lebenslange Bewegungen bleiben diese Verbindungen zwischen den Nervenzellen aktiv. Also: Use It Or Loose It.
Diese Verbindungen werden also durch körperlich freie (uneingeschränkte) Bewegung in Raum und Zeit gefördert. Eine Einschränkung hätte immer eine Einengung der geistigen Beweglichkeit zur Folge. Deshalb lassen die ErzieherInnen die Kinder: Toben, Klettern, Balancieren, Entspannen, Laufen, Springen, möglichst sinnfrei und uneingeschränkt ohne einengende Aufgabenstellung. Die Kinder haben Möglichkeiten sich abzureagieren, wie sie in engen Kindergartenräumen nie hergestellt werden können. Freiwillig können immer wieder Situationen geschaffen werden, um sich mit eigenen Grenzen auseinanderzusetzen und diese auch zu überschreiten.

Die ErzieherInnen beobachten sehr genau, greifen nur bei Gefahr ein. Fallen lernt man erst durch fallen. Hinfallen ist die Grundvoraussetzung fürs wieder Aufstehen. Aufstehen, selber Stehen können bedeutet Selbständigkeit. Selbständigkeit ist eine Grundvoraussetzung um Handlungskompetenz ausbilden zu können, auch um Probleme und Aufgaben bearbeiten und lösen zu können.

Gelegentlich greifen die Erzieher das Spiel der Kinder auf und nehmen auch mal intensiv gespielte Themen der Kinder in ihr Angebot auf. Angebote der Erzieher gibt es demnach natürlich auch. Das kann in der WALDKINDIZEITUNG nachgelesen werden, die alle 2 Monate erscheint. Aber immer gilt: Kinder lernen nicht auf ein Kommando oder nach einem “Lehrplan” am besten, sondern dann, wenn sie bereit dazu sind:

„Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht,
wenn ich muss.
Wenn ich aber darf,
wenn ich will,
dann mag ich auch,
wenn ich muss.
Denn schließlich:
Die können sollen,
müssen wollen dürfen.“
(Graffiti am U-Bahnhof Alexanderplatz im Herbst 1989)

Mögliche Folgen einer Begrenzung der körperlichen Bedürfnisse im übrigen können Ursache für Defizite in der Sprachentwicklung und Konzentrationsfähigkeit sein (vgl. auch Renate Zimmer “Schafft die Stühle ab”).

Kinder spüren eine Reaktion auf ihre Bewegung. Sie lernen ihre Körpermaße, Körperumfang, ihr Gewicht kennen und einschätzen. So erfahren und BE-GREIFEN sie was sie bewirken. Sie nehmen sich wahr, was die Voraussetzung dafür ist, Anderes und Neues (zu Lernendes) zu begreifen. Mit Händen und Füßen, mit Haut und Haaren. Körper und Geist als Einheit, beides ist als gleichermaßen wichtig zu betrachten, denn schließlich geht das ganze Kind irgendwann zur Schule, nicht bloß der Kopf.

I hear – I forget
I read – I remember
I do – I understand

Durch dieses Erleben, Begreifen, sich Wahrnehmen als aktiver Teil seiner Umwelt können sie ein positives Selbstwertgefühl entwickeln. Bewegungssicherheit führt in hohem Maß zur Selbstsicherheit.

8.2. Die Bedeutung des freien Spiels

Ein wichtiger Schwerpunkt, unter dem der Alltag im Waldkindergarten zu betrachten ist, ist der Aspekt der Salutogenese (lat.: “salus” = gesund und griech. “genese” = Entstehung). Mehr darüber nachzulesen unter (www.wakigaki.de). Der Arzt E. Schiffer, hat sich intensiv mit der Salutogenese und der Suchtproblematik beschäftigt. Er nennt Öde und Langeweile als Vorstadien der Sucht und weißt darauf hin, dass diese nachhaltig für Kinder nur da entstehen, wo Erwachsene die schöpferische Kraft der Kinder unterdrücken oder gar verbieten. Im scheinbar sinnfreien Kinderspiel gehen die Kinder auf die Suche nach dem EIGEN-SINN, der Voraussetzung ist um die eigene Identität zu finden. Dabei geht vieles einher mit Eigen-Erfahrung.
Das Spiel im Wakiga bezieht seine Motivation aus sich selbst und bedarf keiner Reizsetzung von Außen. Dadurch werden sowohl das Gruppen- als auch das Selbstkohärengefühl gestärkt. Es entstehen soziale Bindungserfahrungen, die wichtig für spätere Bindungsfähigkeiten sind. Gute Bindungserfahrungen ermöglichen Liebe und Vertrauen.

8.3. Stille, Meditation, Kreativität

Die ErzieherInnen begleiten das Kind dabei, ein glücklicher Mensch zu werden, der seine Individualität und Persönlichkeit entfalten darf. Die Atmosphäre und Umgebung lädt die Kinder dazu ein, in Ruhe und Gelassenheit den Vormittag zu verbringen. Sie beobachten einen Käfer, hören raschelndes Herbstlaub, gestalten aus Naturmaterialien ein Bild. Solche “meditativen” Erfahrungen sorgen für Wohlbefinden und inneres Gleichgewicht. Die Kinder dürfen sich wahrnehmen mit allen Sinnen:

  • Gemeint ist, etwas zu tun und fast noch mehr, etwas nicht zu tun
  • Erst mal zu schauen, erst mal sehen, wie die Anderen das machen
  • Erst mal abwarten, den eigenen Rhythmus finden, den eigenen Standpunkt erkennen, die Perspektive wechseln
  • Es gibt Kinder, die lernen durch ausprobieren und immer wieder ausprobieren und noch mal…
  • Es gibt Kinder, die lernen durch zuschauen, ohne es selbst probiert zu haben. Oder aus Kombinationen, im eigenen Tempo und mit den eigenen Vorstellungen
  • Aber es gibt kaum Kinder, die durch bloße Vorstellung, Kognition, lernen
  • Noch weniger jedoch lernen Kinder durch Belehrungen

8.4. Pfützen schützen oder: Warum bewegen wir uns in der freien Natur?

Warum schützen Pfützen, wen oder was oder wovor schützen sie? Sie schützen die Kinder vor einer allzu technisierten, perfekten Welt, sie schützen vor der Sterilität von Plastikspielzeug und Modellbauten, sie schützen und müssen selbst geschützt werden. Sie schützen vor einem verarmten Immunsystem.

8.5. Ökologisches Bewusstsein

Unsere Kinder lernen die Natur zu achten und lernen ein großes Stück umweltbewusstes Verhalten und Handeln. Es ist ihnen mittlerweile unverständlich, dass Ältere einfach Dinge in die Natur werfen und ihren eigenen Erholungs-, Spiel- und Lernraum oftmals gedankenlos behandeln. Jede Woche sammeln die Waldkindergartenkinder und ihre Begleiter eine 20-Liter-Tüte voller Müll auf ihren Wegen ein und tragen sie aus dem Wald.

8.6. Ausdauer

Die Kinder nehmen das Wetter wie es kommt. Selten hört man ein Kind und nie unsere ausgebildeten Mitarbeiter über das Wetter klagen. Es gehört zur Natur, die Pflanzen brauchen Wasser und Sonne, Wind und Kälte zum Wachsen und Vermehren. Die Kinder machen sich diese Erfahrung zu Eigen, erfrischen sich an heißen Tagen im Lengenweiler See, entwickeln Ausdauer bei ihren Wanderungen und bei kaltem Wetter oder bei Regen. Diese Erfahrung nutzt ihnen auch nach ihrer Kindergartenzeit in der Schule, wenn sie als kräftige, gesunde Kinder den anstrengenden Schulalltag bewältigen und aushalten müssen.

8.7. Riesenentag

Die Riesen genießen einmal in der Woche einen Vormittag mit einem speziellen Programm, das von den Erziehern extra für sie angeboten wird. Das stärkt ihr Bewusstsein und die Gemeinschaft der kleinen Riesengruppe dafür, dass sie bald in die Schule gehen. So basteln sie z. B. zu einem Thema, Legen fantasievolle Naturbilder, Weben mit Naturmaterial, Backen z. B. Pizza, Bratkartoffeln oder Kochen Apfelmus, gehen einmal im Monat zum Schwimmen ins Hallenbad, Verbringen einen Morgen mit dem Kooperationslehrer der Grundschule und einem Sprachpädagogen des Hör-Sprachzentrums u. v. m…

9. Häufig gestellte Fragen

9.1. Wird mein Kind genügend auf die Schule vorbereitet?

Siehe hierzu noch mal die Punkte 8.1. Synapsenbildung, 8.6. Ausdauer, 8.7. Riesentag und außerdem: Lernen geschieht im Kindergarten- und Grundschulalter durch Bewegung. In der Bewegung werden Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Koordination entwickelt und geschult. Und zwar mehr als durch schriftliche Übungen auf Papier oder gar am Computer. Natürlich stehen auch Mal- und Schreibwerkzeuge wie: Pinsel, Farbstifte, Kleber und Malblätter in der Hütte zur Verfügung, so dass die Kinder vor dem Morgenkreis oder am Ende eines Vormittags frei arbeiten und gestalten können. Die Feinmotorik wird aber auch durch Schnitzen, Schnetzeln der Zutaten für einen Matschekuchen, Collagen aus Naturmaterialien, Untersuchen von Insekten oder Blattwerk u. v. m. ausgebildet.
Konzentrationsphasen sind auch im Natur- und Bewegungskindergarten fester Bestandteil, sie sind rhythmisch in den Kindergartenalltag eingebaut. Täglich sitzen die Kinder im Vorlesekino und lauschen gebannt den vorgelesenen Bilderbuch-Geschichten. Durch den hohen Betreuungsschlüssel findet immer ein Erwachsener Zeit, für einen Vorlesewunsch der Kinder. FARBEN und FORMEN lassen sich nicht nur mit eigens dafür entwickelten Lernkästen erlernen; vielmehr finden wir sie in der Natur, wenn wir aufmerksam und bewusst suchen und beobachten, in unendlicher Fülle. Das Gleiche gilt für das Rechnen mit Steinen, Kastanien etc. oder etwa beim LÄNGEN- und GRÖSSENVERGLEICH mit Stöcken (für mathematische Vorstellungen ist immer erst die Erfahrung mit der eigenen Körpergröße die Voraussetzung). Hinzu kommt der natürliche Wissensdrang rund um die Natur, den die Begleiter auch mit Hilfe von Bestimmungsbüchern stillen.

9.2. Was macht ihr im Winter oder wenn es regnet?

Für die körperliche Entwicklung ist es hervorragend, dem Wetter täglich “ausgesetzt” zu sein. Jedes Wetter wird als ein lebbares Wetter erlebt. Nach dem Motto: “Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.” Beim Vespern wird eine Plane über dem Vesperplatz gespannt, damit das mitgebrachte Vesper nicht nass wird.

10. Danke

Danke sagen wir allen, die unseren Verein unterstützen und im Besonderen und als allererste Anne Blickle und Helge Afflerbach für ihre wunderbare Idee unseres Kindergartens, die sie mit nach Wilhelmsdorf gebracht haben und die Energie, die sie in den Aufbau und die Umsetzung ihres Projekts gesteckt haben und es zu dem gemacht haben was es heute ist: Eine etablierte Einrichtung, die so viele Kinder mit ihren Eltern bereits genießen konnten und es immer noch tun. Und Helge insbesondere für das Konzept, welches gleichzeitig die Abschlussarbeit seines Studiums war und welches uns hier mehr als nur als Vorlage diente.

Der Gemeinde Wilhelmsdorf mit Bürgermeister Dr. Gerstlauer und dem für die Kindergärten zuständigen Gemeindemitarbeiter Herrn Gerster für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die Unterstützung.

Der TSG Wilhelmsdorf mit Willi Metzger, der uns in Rechtsfragen beiseite steht und uns mit seinem Verein unterstützt.

Den Zieglerschen Anstalten für die Überlassung des Grundstücks, Herrn Züfle, der bei der Gründung alle zuständigen Stellen (NABU, Förster, Ämter …) an einen Tisch holte.

Dem Landratsamt Ravensburg und dem Landeswohlfahrtsverband Baden Württemberg, die der KIGA-Gründung mit Rat und Tat zur Seite standen.

STAND: OKTOBER 2014
AKTUALISIERT: NOVEMBER 2019

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